Das Schicksal der jüdischen Familie Lehmann

 

Ein Forschungsprojekt von Schülerinnen und Schülern der Gemeinschaftsschule Am Heimgarten
Redebeitrag beim Gang des Erinnerns am 09.11.2018 in Ahrensburg (die Redebeiträge als PDF)


20181108_154135

Einleitung

Hallo,

wir sind Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule am Heimgarten.

Wir stellen ihnen heute die jüdische Familie Lehmann aus Ahrensburg vor.

Um mehr über das Schicksal der Familie Lehmen zu erfahren, waren wir am 29. Juni 2018 mit unserem Lehrer Herrn Özen im Rathaus bei Frau Petter im Stadtarchiv und haben das erste Mal etwas über die Familie Lehmann gelesen.

Uns ist aufgefallen, dass es bestimmte Sachen wie z.B. einen Stammbaum nicht gab.

Deswegen haben wir über viele Familienmitglieder Hintergrundinformationen rausgesucht und einen Stammbaum entworfen.

Da wir noch lange nicht fertig sind, aber wir schon nächstes Jahr von der Schule gehen, würden wir uns freuen, wenn wieder ein paar freiwillige Schüler an dem

Projekt „Familie Lehmann“

weiter arbeiten und den Stammbaum weiter fortsetzen. (zum Stammbaum der Familie, PDF)

 

Der Stammbaum der Familie Lehmann – Teil 1

Wir konzentrierten uns für den heutigen Abend auf den Zeitraum zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg und haben versucht rauszufinden, wer mit wem verwandt ist und welche Kinder sie bekommen haben.

Der Stammbaum ist auch noch nicht ganz vollständig aber wir sind in der Klasse sehr weit mit unserer Recherche gekommen und stellen nun unsere ersten Zwischenergebnisse vor:

Die jüdische Familie Lehmann wohnte etwa seit dem 17. Jahrhundert in Ahrensburg. – Oder vielmehr in „Woldenhorn“, denn so hieß der Ort damals noch.

Anfang des 20. Jahrhunderts war die Familie Lehmann bereits weit verzweigt und lebte als wohlhabende Kornhändler in Ahrensburg. Von der Familie ist leider kein Foto erhalten, das wir hier zeigen könnten.

Mayer Lehmann und Rebekka Lehmann hatten zusammen drei Kinder:

Harry, Ludwig und Magnus Lehmann.

Mit diesen drei Brüdern wollten wir uns nun näher beschäftigen, weil sie die „Elterngeneration“ sind, die in der Zeit der Weimarer Republik in Ahrensburg lebten. Wir haben versucht die Entwicklung dieser Generation zu verfolgen.

Mayer Lehmann hatte auch noch einen Bruder. Ludwig Lehmann war der Onkel von Harry, Ludwig und Magnus. Verheiratet war Onkel Ludwig mit Charlotte Salomon, mit der er drei Kinder bekam. Sie hießen Annie, Henry, Elisabeth Lehmann.

Über diesen Teil der Familie haben wir zwar auch schon einiges herausgefunden, aber wir konzentrieren uns für heute auf das Schicksal der Familien von Harry, Ludwig und Magnus Lehmann.

 

Der Stammbaum der Familie Lehmann – Teil 2

Harry Lehmann war mit Martha verheiratet. Ihren Nachnamen haben wir noch nicht herausbekommen. Gemeinsam hatten sie vier Kinder bekommen: Ilse, Helmut, Otto und Gerda Lehmann.

Diesen Zweig der Familie haben wir mit einer roten Umrandung markiert.

Ludwig Lehmann war mit Sandra (auch hier fehlt uns noch der Nachname) … verheiratet und hatte mit ihr die Kinder Heinz, Lilly, und Fritz. Außerdem hieß es, dass Ludwig Lehmann außerdem eine Affäre mit Martha Frahm aus Bargteheide gehabt haben soll. Der angeblich gemeinsame Sohn, Herbert Frahm, sollte später unter dem Namen Willy Brandt Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden. Der offiziellen Biographie zufolge war Willy Brandt allerdings nicht der Sohn eines Ahrensburgers, sondern Sohn eines Hamburgers. Wir wissen also nicht, ob die Gerüchte wahr sind.

Diesen Zweig der Familie haben wir mit einer grünen Umrandung markiert.

Der dritte Bruder war Magnus Lehmann. Er wurde am 19. Mai 1885 in Ahrensburg geboren und war mit Erna Lehmann, geborene Markus, verheiratet. Magnus Lehmann war Diplom Ingenieur und verstarb angeblich am 8. Mai 1945 in Minsk.

Diesen Zweig der Familie haben wir mit einer schwarzen Umrandung markiert.

Nun versuchten wir das Schicksal dieser drei Lehmann-Familienzweige weiter zu verfolgen.

 

Harry Lehmann und Ludwig Lehmann

Max Helmut Lehmann, der Sohn von Harry Lehmann, arbeitete schon seit Anfang 1933 in Rio de Janeiro, in Brasilien.1936 wurde er brasilianischer Staatsbürger.

Nach der Reichspogromnacht 1938, die sich heute zum 80. mal jährt, versuchte Max Helmut Lehmann für seine Eltern und seine Geschwister eine Einreisegenehmigung nach Brasilien zu bekommen, während sein Onkel Magnus bereits im KZ war.

Ottos Eltern sowie seine Schwester bekamen das Visum sehr schnell und konnten im April 1939 auswandern.

Bei seinem Bruder Otto dauerte es ungefähr ein Jahr länger, da der Brief mit seiner Geburtsurkunde verloren ging.

Otto reiste schließlich über Japan, Los Angeles, den Panama-Kanal und Venezuela nach Brasilien, wo die Nachfahren der Ahrensburger Familie Lehmann auch heute noch leben.

Ein Familienmitglied, Eric Lehmann, ist heute Abend sogar unter uns.

Auch dem jüngeren Bruder von Harry Lehmann, Ludwig Lehmann, gelang die Flucht aus Deutschland.

Ludwig wanderte 1935 nach Argentinien aus und überlebte dort die Verfolgung der Juden durch die Nazis.

 

Magnus Lehmann – Teil 1

Während seine beiden älteren Brüder mit ihren Familien vor den Nazis nach Südamerika fliehen konnten, wurde Magnus Lehman eines von etwa 6 Millionen jüdischen Opfern der Nazis.

Magnus Lehmann wurde am 19. Mai 1885 in Ahrensburg geboren. Offiziell starb er am 8. Mai 1945 in einem KZ bei Minsk. Es gibt allerdings auch noch Hinweise auf seine Ermordung in einem KZ bei Riga.

Magnus nahm ab 1915 am Ersten Weltkrieg teil und unterbrach deshalb sein Ingenieur-Studium.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte er bis zum Jahr 1933 bei der AEG als Diplom Ingenieur gearbeitet.

Da er ein Jude war, wurde er entlassen und kehrte nach Ahrensburg zurück.

In Ahrensburg hat er dann bei „M.H. Lehmann“, der Getreidefirma seiner Familie, gearbeitet.

 

Magnus Lehmann – Teil 2

In der Reichspogromnacht am 9. November 1938, heute vor genau 80 Jahren, wurde er hier in Ahrensburg verhaftet. Zwei Tage später wurde er, am 11. November, ins KZ Buchenwald, dem größten Konzentrationslager in Deutschland, eingeliefert.

Etwa einen Monat später, am 7. Dezember 1938 wurde er wieder aus dem KZ entlassen.

Magnus Lehmann versuchte am 8. Februar 1940 ein Pass zu beantragen. Als Reisezweck gab er an „Auswanderung ins Ausland“. Er wurde aber nicht aus Deutschland herausgelassen, weil er Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse war. Diese Auszeichnungen hatte er für seine Tapferkeit und seine Leistungen im Ersten Weltkrieg erhalten.

Da er im Gegensatz zu seinen Brüdern auch noch kinderlos war, sanken seinen Chancen auf eine Auswanderung noch weiter.

Am 4. Dezember 1941 wurde er schließlich nach Minsk „evakuiert“. So nannten die Nazis die Verschleppung der Juden in die Vernichtungslager im Osten. Ab hier verliert sich seine Spur.

Offiziellen Angaben zufolge starb er am 8. Mai 1945. An diesem Tag begann der Waffenstillstand, der die Kampfhandlungen in Europa beendete.

Hinweise auf den Tod von Magnus Lehmann gibt es allerdings auch im KZ Riga.

Seit einigen Jahren erinnert nun hier in Ahrensburg an dieser Stelle der Stolperstein für Magnus Lehmann an sein Schicksal und an das Schicksal seiner Familie.

 

MitarbeiterInnen

Das Forschungsprojekt wurde im Sommer 2018 von folgenden Schülerinnen und Schülern durchgeführt:

Mahdi Ahmadi
Konstantin Eichwald
Juliette Hammermann
Celina Hultsch
Nancy Jacobs
Jette Maas
Cheyenne Puls
Vishu Puri
Kevin Schmidt
Marcel Schwientek
Fatma Sharif
Lara Sommer

Wir danken Herrn Özen von der Gemeinschaftsschule Am Heimgarten für seine Unterstützung sowie Frau Petter vom Stadtarchiv, Herrn Hamann vom Eric-Kandel-Gymnasium für die Quellen und Informationen zum Schicksal der Familie Lehmann und dem ehemaligen Ahrensburger Bürgermeister Manfred Samusch, der durch seinen Briefkontakt, unter anderem zu Otto Lehmann, viele der Quellen zusammengetragen hatte, die wir auswerten konnten.

Aktualisiert am 10. November 2018
Kategorie Allgemein